Historie Vossenack
„Jaers dae van leueren vyer marck zeyn schillinck Sees penninck as der selue wyngart bis her zo gegolden hait mit den raemen dar zo gehoerende die Voyssnacken“ schreibt der Erbmarschall des Herzogs von Jülich Ritter Engelbrecht Nyt van Birgel in einem Vertrag aus dem Jahre 1472, in dem er dem Johanne van Peyrne preister pastoir zo Cruitz Auwe eben diese Kreuzau auf 99 Jahre und einen Tag verpachtet. Das Hofgut Voyssnacken, welches also damals wahrscheinlich schon länger bestand, dessen genaue Lage aber (noch?) nicht bekannt ist, wurde zum Mittelpunkt einer kleinen dörflichen Siedlung, die über die Jahrhunderte ein zwar ruhiges aber sicher entbehrungsreiches Dasein fristete. Der Ortsname dürfte auf die Form des Bergrückens zurück zu führen sein, auf dem Vossenack gelegen ist, und der im Herbstlaub an einen Fuchsrücken erinnert haben mag.
Im Herbst des Jahres 1944 wurde der Ort jäh in das gleißende Licht der Geschichte gezerrt. Die bis dahin siegreichen Amerikaner hatten sich von Belgien kommend in den Kopf gesetzt, von Germeter (heute ein Ortsteil von Vossenack) über Vossenack in das Kalltal vorzudringen, um auf der gegenüber liegenden Seite über Kommerscheidt nach Schmidt und von da aus weiter ins Rheinland zu gelangen. Der dafür ausersehene Waldweg - der heutige „Kall Trail“ – war knapp zwei Meter breit, steil und schlammig, und die ebenso breiten Sherman-Panzer brauchten nicht lange, um diesen als Hauptnachschubstrecke gedachten Weg vollständig zu blockieren. Während dessen tobte in Vossenack zwischen Amerikanern und Deutschen eine ebenso erbitterte wie verzweifelte Schlacht bis hinein in das Kirchengebäude, welche zu diesem Zeitpunkt von keiner Seite zu gewinnen war, aber das Dorf vollständig verwüstet zurück ließ.
Die Nachkriegszeit war hart: Der Wiederaufbau nahm alle Kräfte in Anspruch, gleichzeitig aber waren auch Unmengen von Munition und Blindgängern zu beseitigen. 1947 brach ein Flächenbrand aus, der große Teile der Wälder vernichtete. Bis zum heutigen Tag gibt der Boden rund um Vossenack und an den Hängen des Kalltals immer wieder die Überreste von Kriegstoten frei. Dennoch und gegen alle Widrigkeiten gelangte Vossenack zu neuer Größe und Schönheit und wurde 2011 „Golddorf“ im Kreiswettbewerb Düren.


